HS 07: Seminar: Kollektive Intentionalität 3KP (18675-01)

Dozierende: Juliette Gloor (email), Hans Bernhard Schmid (email) Anita Konzelmann Ziv (email)

Zeit: Mittwoch, 12.15-14.00 Philosophisches Seminar (Schönes Haus), Seminarraum 22

Beginndatum: 26.09.2007 (wöchentlich)

Module:
Modul Probleme der Theoretischen Philosophie (BSF - Philosophie)
Modul Probleme der Theoretischen Philosophie (BSF - Philosophie)
Modul Praktische Philosophie (MSF - Philosophie)
Modul Theoretische Philosophie (MSF - Philosophie)
 

Inhalt: Intentionalität ist ein Grundbegriff der Philosophie, der eine Eigenschaft bestimmter mentaler Zustände bezeichnet. Intentionale Zustände sind dadurch charakterisiert, daß sie ein Subjekt haben (jemandes Zustände sind), sowie einen Gehalt (bzw. einen Gegenstand), auf den sie in einem bestimmten Modus "gerichtet" sind.

Von wenigen Ausnahmen (v.a. aus der frühen Phänomenologie) abgesehen wurde Intentionalität immer als individuelle Intentionalität verstanden, d.h. als solitärer Objektbezug natürlicher Individuen (Bewusstseinssubjekte). Eine der aufregendsten Entwicklungen in der analytischen Handlungstheorie und philosophy of mind der letzten zwanzig Jahre ist demgegenüber ein neuer Fokus auf die Frage, inwiefern Intentionalität von Individuen geteilt bzw. gemeinsam gehabt werden kann. John R. Searle hat dafür das inzwischen allgemein verwendete Label "Kollektive Intentionalität" geprägt. Das Forschungsfeld der Analyse kollektiver Intentionalität ist selbst in den elementarsten Fragen geprägt von tief greifenden Kontroversen und Uneinigkeit. Wer intendiert was in welchem Modus, wenn Individuen gemeinsam intendieren? In dieser Veranstaltung studieren wir anhand maßgeblicher Texte aus der laufenden Debatte die wichtigsten Positionen, wobei wir uns insbesondere auf die zentralen Kontroversen konzentrieren:
- Reduzibilitäts-Kontroverse: Ist kollektive Intentionalität als eine bestimmte Konstellation individueller intentionaler Zustände beschreibbar, oder ist sie Intentionalität sui generis?
- Struktur-Kontroverse: liegt der Wir-Aspekt kollektiver Intentionalität im Gehalt, im Modus oder im Subjekt?
- Normativitäts-Kontroverse: sind Individuen in irgendeinem Sinn den anderen gegenüber zum Mitmachen verpflichtet, wenn sie etwas gemeinsam beabsichtigen?

Die Analyse kollektiver Intentionalität verspricht eine neue Perspektive auf die Struktur unseres Geistes und der sozialen Welt. In vielen Teilbereichen der Philosophie – sowie in benachbarten Disziplinen wie Rechtstheorie, ökonomischer Theorie, Kognitionswissenschaften und Entwicklungspsychologie – kommen begriffliche Mittel aus der Analyse kollektiver Intentionalität bereits zur Anwendung.

 

Literatur: Die Textbasis der Veranstaltung wird größtenteils aus deutschen Übersetzungen der wichtigsten Texte aus der aktuellen Debatte bestehen (die Lehrenden sind derzeit mit der Herausgabe eines entsprechenden Sammelbandes beschäftigt).

Als vorbereitende Lektüre wird empfohlen:
Schmid; Hans Bernhard: Wir-Intentionalität. Freiburg, Alber 2005, Teil 1.
Tollefsen, Deborah: Collective Intentionality. The Internet Encyclopedia of Philosophy (http://www.iep.utm.edu/c/coll-int.htm).

Leistungsüberprüfung: Lehrveranst.-begleitend, Pass / Fail, keine Wiederholungsprüfung

Unterrichtssprache: Deutsch 

 

Direct Links: Vorlesungsverzeichnis